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Großer Landesfestumzug mit Blinden-Reportage und Rollstuhl-Bereich

Für mehr Teilhabe beim Landesfestumzug der Heimattage Baden-Württemberg haben wir zusammen mit der Stadt Oberkirch gesorgt. Damit auch Menschen mit Mobilitäts- oder Seheinschränkung den Umzug miterleben konnten, wurde eine barrierefreie Zone in der Stadtgartenstraße eingerichtet. Im Rollstuhlbereich fanden Rollstuhlfahrer ebenso einen Platz wie ältere mobilitätseingeschränkte Menschen und konnten jeweils zusammen mit einer Begleitperson den Umzug ohne Gedränge und mit bester Sicht genießen.

Direkt daneben befand sich der Blindenbereich. Eugen Hildenbrand aus Oberkirch hat die Augenkrankheit „Retinitis Pigmentosa“ und ist seit seinem 40sten Lebensjahr Stück für Stück vollständig erblindet. Er ist Mitglied bei uns im Verein und hatte uns von seinem Ausflug mit dem Blindenverband zur Konstanzer Fasent 2025 erzählt, bei der er den Umzug miterleben konnte, weil es dort eine Blindenreportage gab. Nach Eugens Hinweis haben wir bei der Recherche direkt die Homepage der Initiative „Fastnacht für alle“ der Konstanzer Fastnachtsvereine gefunden. (Alle Infos dazu hier: www.allenwohlniemandweh.de/)

Nach einigen Info-Mails hin und her und einem Online-Meeting mit dem Vize-Zunftmeister der Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft e.V., Mathias Trempa, und Gabriele Schindler von der Heimattage-Geschäftsstelle wurden dann entsprechend die barrierefreien Bereiche beim Umzug der Landesfesttage geplant. Mathias und seine Partnerin Carina Helm hatten sich sofort bereiterklärt, für das Festwochenende im September nach Oberkirch zu kommen und den Umzug als erfahrene Blindenreporter ehrenamtlich zu begleiten.

Zusammen mit Eugen Hildenbrand hatten sich weitere 5 Menschen mit Seheinschränkung im Vorfeld angemeldet, um der live Blindenreportage zu lauschen. Die Blindenreporter arbeiten immer zu zweit, weil es volle Konzentration erfordert und ununterbrochen beschrieben wird, was zu sehen ist. Daher wird bei jeder neuen Gruppe abgewechselt. Beschrieben werden dabei so viele Dinge wie möglich. Beim Heimattage-Umzug waren das  z.B. die Farben, Formen und Materialien der Hosen und Jacken, Röcke und Hüte, einschließlich Details wie die Stickereien der Tücher über der Schulter oder der Glasperlen auf dem Kopfschmuck. Auch die Größe und das Aussehen der Festwagen und der mitgeführten Gegenstände wurden ausführlich erklärt. Um das Bild noch genauer zu machen, wurden dazu auch noch die Bewegungen oder die Handlungen der Teilnehmer erläutert, z.B. bei den Tänzen oder  handwerklichen Vorführungen.

Als zusätzliche Unterstützung kam noch Johannes Frank vom Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg e.V. als Kommentator dazu. Er steuerte noch einige interessante Fakten zur historischen und traditionellen Bedeutung der Trachten und Bräuche bei, die beim Umzug zu sehen waren. Zum Beispiel, wie die „Rosen“ auf dem Rosenhut der Damen entstehen, welche Bedeutung die Farbe der Tüte, Schürzen oder Jacken hat und woran man die eher reiche oder ärmere Herkunft der Trachten erkennt.

Da sich blinde Menschen ja meist auch eher tastend „ein Bild machen können“, hat eine nette Dame in wunderschöner Tracht auf Anfrage von Manuel Wiegert dann kurzerhand ihren Hut mit den großen roten Bollen abgenommen und zum vorsichtigen Betasten hergegeben. Auch ein großes Holzrad eines historischen Heuwagens, konnte während des vorgeführten „Radwechsels“ kurz betastet werden.

Eugen war sehr begeistert von der Live-Reportage und auch die anderen Teilnehmer aus dem Blindenbereich stimmten zu, dass das eine wirklich tolle Aktion war und sie sich sehr gefreut haben, dass sie dadurch auch teilhaben konnten. 

Um das Angebot der Blindenreportage in Oberkirch und im Renchtal in Zukunft auch bei den Fasent-Umzügen umsetzen zu können, wird sich Manuel Wiegert demnächst in einem halbtätigen Workshop zum Blindenreporter „ausbilden“ lassen. Wer sich vorstellen kann ein oder zweimal im Jahr als Blindenreporter im Renchtal z.B. bei der Fasent im Einsatz zu sein, kann sich gern bei uns melden und den Workshop mit Manuel zusammen zu besuchen.

Bilder Nr 1, 2 und 4: Fotograf: Michael Rosenstiel

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